Werbeslogans kreativ gemischt – Neues vom PubQuiz II

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Es ist Nikolaus, in euren Stiefeln haben euch vielleicht die einen oder anderen Leckereien erwartet, und in dem ganzen Konsumwahnsinn haben Ralf und ich euch ein paar nette Werbeslogans neu interpretiert.

Als wir die Kategorie beim PubQuiz gespielt haben, habe ich bei der Auflösung den einen oder anderen Slogan intoniert – das müsst ihr hier leider selber übernehmen. Viel Spaß beim Grübeln!

Die Aufgabe: Die Slogans welcher Produkte sind hier durcheinandergeraten?

  1. Nicht immer, aber immer, wenn’s um Geld geht.
  2. Wenn’s mal wieder länger dauert, bist Du zu schwach.
  3. Das famose Zartgemüse aus der Dose schmeckt so himmlisch joghurt-leicht.
  4. Einmal geploppt, aber sonst ändert sich nichts.
  5. Ich fühl mich schön mit 52 Zähnen.
  6. Wie das Land, so Deine Meinung.
  7. Keiner schmeckt mir so wie der grüne Daumen.
  8. An meine Haut lasse ich nur die wahrscheinlich längste Praline der Welt.
  9. Die zarteste Versuchung verleiht Flügel.
  10. Cha-cha-cha-jes-jes-jes.

Pinnwand der kleinen Wissenshäppchen

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Mein Kopf braucht Futter. Andauernd. Deshalb höre ich Wissenschaftspodcasts zum Einschlafen, lausche wissbegierig Menschen, die spannend von ihren Spezialgebieten berichten können, und liebe Führungen. Da bleibt immer irgendein Wissenhäppchen hängen, und  häufig denke ich: „Das solltest Du Dir merken.“ Sei es, um ordentlich den Klugscheißer rauszuhängen oder um bei Günther Jauch dereinst die Million abzuräumen. Leider verblasst dieses Wissen, das ich sonst kaum brauche, früher oder später wieder. Aber Schluss damit! Jetzt gibt es meine Pinnwand der kleinen Wissenshäppchen, und hier sammel ich all die kleinen Perlen des unnützen Wissens.


 

Eulen haben ihre Ohren neben den Augen. Eins leicht über dem einen Auge, eins leicht unter dem anderen Auge. Deshalb können Eulen in 3D hören. Das ist auch der Grund, warum Schleiereulen diese hübschen Kränze um die Augen haben. Die Kränze bilden einen Trichter, der den Ton zielsicher in die Ohren lenkt.

Eulen können wegen ihrer exzellenten Hörfähigkeiten auch Mäuse unter einer 30cm dicken Schneedecke ausmachen. Damit sie auf ihrem Flug zu ihrem Opfer nicht durch ihre eigenen Fluggeräusche abgelenkt werden, die die Ortung unnötig erschweren würde, fliegen Eulen lautlos.

Die Vorstellung, dass Männer Jäger sind und Frauen Sammler entspringt vor allem einer wissenschaftlichen Abhandlung aus dem 18. Jahrhundert, die die Ideen der Rollenverteilung in Zeichnungen festhielt. Diese Zeichnungen sind seitdem immer wieder aufgegriffen und fortgetragen worden. Die Abhandlung maß den Frauen die Arbeit in den Höhlen bei und den Männern die Arbeit bei der Jagd. Aus heutigem Blickwinkel ist es unlogisch, dass Frauen nicht auch bei der Jadg dabei waren.

Kleopatra starb höchstwahrscheinlich nicht durch einen Schlangenbiss. Es ist heute nachgewiesen, dass das Gift einer Kobra nicht ausgereicht hätte, um die ägyptische Königin zu töten. Stattdessen wird angenommen, dass sie sich mit einem Schielingsbecher das Leben nahm. Das bekannteste Opfer des Schierlingsbechers ist Sokrates.

Franz Liszt hielt sich einen Hund, dem er bei Bedarf Locken aus dem Fell schnitt, um sie seinen unzähligen weiblichen Fans zuzuschicken. Demnach ist nicht eindeutig, ob die vielen Locken, die von Franz Liszt als Devotionalien in diversten Nachtschränkchen gelegen haben sollen, wirklich vom berühmten Komponisten stammen. Liszt gilt als einer der ersten Popstars mit einer beachtlichen Fanbase.

Ludwig van Beethovens „Für Elise“ sollte eigentlich „Für Therese“ heißen. Es ist nicht eindeutig nachgewiesen, welche Therese gemeint war, denn es kommen mindestens zwei Frauen in Frage. Dass das berühmte Klavierstück den falschen weiblichen Frauennamen trägt, liegt an Beethovens Handschrift. Der Setzer erkannte den Namen nicht und ließ „Elise“ auf das Notenblatt drucken.

Die Redewendung „unter aller Kanone“ entspricht einer fehlerhaften latenischen Übersetzung. Eine Lehrerin einer Lateinschule führte im 19. Jahrhundert einen Notenschlüssel zur Bewertung der Schülerleistungen ein. Schüler, deren Leistungen noch unter dem messbaren Anspruch lagen, erhielten die Wertung „sub omni canones“, was wörtlich „unter jedem Maßstab“ bedeutet. Die Bewertung erhielt als „unter aller Kanone“ Einzug in die deutschen Redewendungen.

Die Mediathek von RTL – bekanntlich RTLnow – erreicht man auch über den Link rtlnau.de.

Pinnwand der schönen Wörter

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Ich bin ein Sprach-Nerd (Danke, Ralf, für diese treffende Bezeichnung… ^^). Und deshalb habe ich Lieblingswörter. Damit die endlich mal einen Ort haben, wo sie alle versammelt sind, habe ich jetzt diese Pinnwand der schönen Wörter. Da mir immer wieder schöne Wörter begegnen, wird die Pinnwand regelmäßig erweitert.


 

Mumpitz

Punkte

Puppe

Tinnef

Augenblick

 

Jetzt seid doch mal kuschelig! – Neues vom PubQuiz I

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Ein paar wenige Male durfte ich an der Seite von Ralf bei der „QuizNight kleinerHeldt-Edition“ ein PubQuiz mithosten. Einige Kategorien haben einiges an Vorbereitungszeit gefressen, und weil es viel zu schade ist, die Mühen einfach als Datei auf dem Rechner vergammeln zu lassen und weil wir mit dem beginnenden Advent doch alle irgendwie ein bisschen kuscheliger werden, könnt ihr euch hier an einer unserer Kategorien ausprobieren:

Welche Paare sitzen hier beim Paartherapeuten?

Pärchen 1

Immer warst Du nur zweitklassig. Und mal unter uns: Natürlich war die prall gefüllte H&M-Boxershorts nicht das Werk von Mutter Natur, sondern meine Entscheidung für das richtige Paar Socken…

Manchmal würde ich mir echt mehr Dankbarkeit von Dir wünschen. Wenn ich Dich nicht geheiratet hätte, würde Dich heute keiner mehr kennen. So wie Deine vier Band-Kolleginnen von damals. Nur durch meine Hilfe kannst Du Dich heute zumindest „Designerin“ nennen!

Pärchen 2

Du und die Frauen… Ich bin überzeugt davon, dass Du mit der kleinen Praktikantin im Bett warst, auch wenn Du es abgestritten hast… Das belastet mich bis heute.

Wir hätten uns einfach zur Ruhe setzen können, als ich endlich den Job niederlegen durfte. Aber nein, jetzt musst Du Dich unbedingt noch selbst verwirklichen. Na gut, dann renn ich halt mit zu Deinen ganzen Winke-Winke-Veranstaltungen.

Pärchen 3

Ich würde so gerne glauben können, was wohlmeinende Fans so gerne behaupten: Dass Du Deine Dummheit nur spielen würdest. Aber nein… Du bist wirklich so dumm!

Wenn ich Dir mit meinem Promi-Bonus nicht den Arsch gerettet hätte, würdest Du jetzt sowas von hinter Gittern sitzen. Da hab ich Dich geholfen.

Pärchen 4

Ständig muss ich mit Dir darüber streiten, ob Physik oder Chemie die einzig wahre Wissenschaft ist. Wenn ich mal zu Hause bin, nimmst Du Dir nie Zeit für mich: Immer hockst Du über den Arbeiten irgendwelcher Studenten…

Du verbringst viel mehr Zeit mit anderen Männern als mit mir. Und wenn wir mal Zeit für einen gemeinsamen Urlaub haben – Skilanglauf zum Beispiel –, dann brichst Du Dir natürlich gleich den Beckenring, damit Du vom Krankenbett aus weiterarbeiten kannst…

Pärchen 5

Du hältst Dich echt für die Superkrone der Volksmusik. Manchmal hab ich das Gefühl, Du gehst liebevoller mit Deiner Ziach um als mit mir.

Asthmatische Zustände: Beim Joggen… Unter der Dusche… Beim Einkaufen… Sogar beim Sex… Ständig bist Du atemlos…

Pärchen 6

Du alter Jammerlappen heulst andauernd rum, dass man Dich ständig mit Deinem bekannten Cousin aus Schleswig-Holstein verwechselt. Ich find’s ja auch ätzend, dass der ausgerechnet von den Liberalen kommt, aber deshalb muss man doch nicht die ganze Zeit rumflennen…

Wir hatten ein schönes Leben. Du verliebt in 3,5 Millionen, ich beschäftigt mit der Neurochirurgie. Jetzt bist Du aber seit letztem Dezember andauernd zu Hause und wir gehen uns so schrecklich auf die Nerven…!

Pärchen 7

Na Gott sei Dank hast Du jetzt endlich mal wieder gewonnen. Das ständige Rumgeheule, die andauernden Selbstzweifel – Gott, war das anstrengend. Ich hab gedacht, an so einen 100-Kilo-Koloss kann man sich mal anlehnen, aber eigentlich muss ich Dich ständig aufbauen.

Mein lieber Schatz, Du hast Deine schönsten Zeiten auch hinter Dir. Zwei Kinder – das geht eben auch nicht spurlos an so einem Topkörper vorbei. Aber immerhin stöhnst Du nicht mehr versehentlich Leos Namen…

Pärchen 8

Du denkst, Du seist der Ober-Guru, dabei könntest Du bei Deiner Ausstattung auch perfekt als Frau durchgehen.

100-45-85 – Das ist doch nicht gesund! Und Dein extremer Materialismus geht mir inzwischen tierisch auf den Sack – wenn ich denn einen hätte.

Pärchen 9

Das hat man nun davon, wenn man sich einen der Sexiest Men Alive schnappt. Ständig bist Du damit beschäftigt, Deinen Körper zu stählen. Aber Du warst einfach zu verführerisch, damals, am Filmset…

Kinder, UN, Regie… Du bist unglaublich darin, Deine Tage zu verplanen, ohne mal daran zu denken, dass ich auch noch da bin. Dabei hatte ich so sehr gehofft, dass Du mir wieder ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, wenn wir erstmal geheiratet haben würden. Weit gefehlt…

Pärchen 10

Jahrelang habe ich es ertragen, aber langsam kann ich Dein Pferdegesicht nicht mehr sehen. Früher wollte ich noch Dein Tampon sein, heute wäre ich am liebsten die Faust zwischen Deinen Kiefern.

Du elendiges Muttersöhnchen… König wirst Du sowieso nie. Dafür verabscheut Dich das Volk viel zu sehr. Ätzend. Und für Dich Warmduscher habe ich mich jahrelang verleugnen lassen.

 

Viel Spaß beim Knobeln und wenn ihr lieb seid, hat der Nikolaus vielleicht noch eine weitere Kategorie im Gepäck… ^^

Wer macht die Trends?

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Gestern stand plötzlich in einem halbphilosophischen Gespräch die Frage im Raum, ob man Trends selber setzt oder ob man nur darauf reagiert. Weil ich den Verlauf der Überlegungen durchaus spannend fand, gibt’s hier die Zusammenfassung.

Die Frage, die hinter der Dichotomie „Trends setzen vs. Trends befolgen“ steht, ist: Wer macht die Trends? Ich glaube, das muss man differenziert betrachten.

Ob man selber Trends setzt, ist eine Frage, die von der Definition von „Trend“ abhängt. Wenn ich in mir selber merke, dass ich das Verlangen habe, mich in diese oder jene Richtung zu bewegen oder sogar zu verändern, weil ich erkannt habe, dass es gut für mich ist, dann kann man in einem engen Trend-Verständnis sicherlich davon ausgehen, für sich selber einen Trend gesetzt zu haben. In einem weiten Sinne setzen allerdings diejenigen Trends, die bestimmte Denk- und Lebensmuster vorgeben und damit eine breite Öffentlichkeit erreichen. In dieser Position befinden sich Wenige. Diese Trendsetzung findet allen voran im modischen Bereich statt. Aber auch ideologische Trends können von einer gerade erstarkten Masse vorgegeben werden.

Gleichzeitig kann man aktuell eine spannende psychische Trendsetzung beobachten. Immer häufiger wird über Achtsamkeit gesprochen, über Selbstliebe, über innere Gelassenheit, die es allesamt zu erreichen gelten sollte. Anders als bei den modischen und ideologischen Trends wird dieser Trend jedoch m. E. durch die gesellschaftliche Entwicklung gesetzt: Dass plötzlich alle auf den Achtsamkeitszug aufspringen, entspricht in erster Linie einem stärker werdenden Leistungsdruck, weniger Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben, dem ständigen Gefühl, sich selbst optimieren zu müssen, um ja den Anschluss nicht zu verpassen. Das führt zwangsläufig zu dem Eindruck, viele Dinge nicht intrinsisch motiviert zu tun, und damit verlieren wir uns selbst. Achtsamkeit scheint da ein Ausweg zu sein, und selbst wenn die Psychologie dieses Konzept schon lange kennt, scheint es erst jetzt gesellschaftlich relevant. Weil auch jetzt erst immer mehr Menschen öffentlich zugeben, dass sie nicht mehr können (auch ein Trend?) und sich ihre Kraftlosigkeit eingestehen.
Was war jetzt zuerst da? Man wird es nicht an einem bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis festmachen können, weil alles aus vorangegangenen Ereignissen resultiert. Wenn man einen Anfang suchen will, dann den Anfang der Menschheit. Im stetig fließenden Diskurs menschlichen Zusammenlebens, in der ständigen Verhandlung des menschlichen Selbstverständnisses wird es immer wieder Veränderungen innerhalb psychischer Trends geben. Genauso wird es auch immer andere Trends in modischer und ideologischer Richtung geben. Nur hier werden sie m. E. bewusst von einigen Wenigen gesetzt.

Setze ich nun Trends oder reagiere ich nur auf sie? Ich glaube, diese Frage hebt sich mit der Feststellung auf, dass selbst die vermeintlich „offiziellen“ Trends immer nur eine Reaktion auf Vorangegangenes sind. Darüber hinaus zielt die Frage, ob man selber den Trend setzt, letztlich auch auf das eigene Ego, wenn man halb trotzig, halb überheblich sagt: „Ich wusste es schon immer!“ Das mag schon sein, aber solange nicht eine gewisse Öffentlichkeit darauf reagiert, wird daraus kein Trend. Es ist ein bisschen wie wenn Eltern beim Betrachten von abstrakter Kunst sagen: „Das hätte selbst meine Vierjährige hinbekommen!“ Das mag vielleicht stimmen, sie haben die Kinder-Kritzeleien aber nicht der Öffentlichkeit präsentiert, sodass die vermeintlich künstlerische Kraft unbemerkt blieb.

Die wirklich wichtig Frage, die sich stellt, ist, wie ich mit den Trends umgehe, die uns alle andauernd umgeben. Renne ich jedem Trend hinterher oder nehme ich mir Zeit, eine eigene Meinung dazu zu entwerfen und danach zu leben? Es geht also nicht um Trendsetzung bzw. -verfolgung. Sondern einzig um die nötige Selbstreflexion, sich dazu zu positionieren.

Gruppenzwang-Salatvergötterer

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Die Mittagspausen im Büro sollen der Entspannung und der kurzfristigen Erholung von manch konzentrationslastiger Arbeit dienen. So auch in den Heiligen Hallen meines Arbeitsplatzes. Die illustre Runde der Mittagspausen-Wütigen besteht in der Regel aus 4 bis 5 weiblichen Kolleginnen, und aus Ermangelung einer Kantine bedient sich jeder dessen, was er sich entweder mitgebracht oder hat liefern lassen.

Nun naht seit einiger Zeit der Frühling, auch wenn es der Blick aus dem Fenster nicht unbedingt vermuten lässt. Viele meiner Kolleginnen nutzen diese näher rückende Jahreszeit, um ab sofort überzeugt davon zu sein, dass ein Salatblatt genug Energie liefere, um nicht nur bis zum Feierabend zu kommen, sondern auch noch bis in den nächsten Morgen. Kurzum: Unsere illustre Runde der Mittagspäusigen isst fortan: Salat. Oder Brühreis. Oder veganes Brot mit Avocado – aber natürlich nur eine einzige Scheibe. Oder Gemüse mit einem Hauch von Reis. Als Topping – aber nur in Ausnahmen – ein paar Scheibchen Oliven. Und während alle insgeheim darüber nachdenken, wie sie den Tag nach dieser quasi Minuskalorienzufuhr überstehen sollen, klopft sich jede lautstark auf die Schulter, wie wahnsinnig diszipliniert sie sei, und dass ein Teller Mais (!) immer viel zu viel sei. Das könne man ja gar nicht schaffen.

Ich gebe es zu: Ich gehöre nicht in die In-memoriam-Bugs-Bunny-Fraktion. Verschämt stellte ich morgens meine TK-Lasagne in den Kühlschrank, in dem vor lauter Salaten, Paprika, Gurke, Cocktailtomaten und Salatdressing-Flaschen (in der Familiengröße!) kaum noch Platz zu finden war. Die Mittagspause begann wie immer; die hungernden Kolleginnen schauten sich interessiert und halb übermütig gegenseitig in die Teller (jede einzelne in der Überzeugung, heute garantiert das gesündeste Mittagessen zusammengeklöppelt zu haben) und fragten, was es denn heute „leckeres“ gebe. Ich wurde geflissentlich ausgelassen. Ich spiele eh nicht in ihrer Liga. Wenn, dann darf ich unter Salatblatts Gnaden als Strohpuppe am Spielfeldrand zuschauen.

Ich mochte meine TK-Lasagne. Aber dann schlug die Macht des Gesundheitswahns zu. In der zunehmenden Schraubzwinge der Salatvergötterer verspeiste ich mit der Lasagne auch eine Menge schlechtes Gewissen. Der unterkühlte Gruppenzwang der Hungrigen hatte in mir ein perfektes Objekt gefunden, um seinen Frust über die fehlenden Kalorien seines eigenen kargen Mittagsmenüs abzuarbeiten. (Mitunter arbeitete auch nur mein eigenes Gewissen in mir, denn genau genommen ist Salat und Brühreis natürlich viel gesünder als TK-Lasagne. Aber da es immer leichter ist, die anderen für sein eigenes Unvermögen zu beschuldigen, bleibe ich für die Dramaturgie der Geschichte beim „unterkühlten Gruppenzwang der Hungrigen“. Das klingt einfach viel bedrohlicher…)

Was soll ich sagen…? Heute esse ich meinen Gruppenzwang-Salat und meine Gruppenzwang-Tomatensuppe. Aufmüpfig gönne ich mir ab und an auch mal ein Brötchen dazu („Aila, das ist doch nicht etwa ein Weißmehl-Brötchen!“). Und wenn ich tief in mir den Geist der Revolution verspüre, dann springe ich nach Vernichtung desselben auf und rufe entschlossen in die Runde: „Ich gehe mir jetzt einen Joghurt holen!“ Und im Rausgehen füge ich trotzig hinzu: „Und zwar einen, der nicht fettreduziert ist!“

Katastrophentourismus und Katastrophentourismus

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Ich kann es ja verstehen – das Unglück der Costa Concordia war ein Drama, und das Schiff da jetzt noch als unfreiwilliges Mahnmal zu sehen, ist fürchterlich. Wenn Giglio von Touristen überschwemmt wird, die sich das Wrack anschauen wollen, dann mag das pietätlos sein. Gleichzeitig kann sich Giglio darüber freuen, dass die Touristen ihr Geld in verschiedene Kassen spülen. Und außer dass die Touristen am Strand stehen und zu dem Wrack rüberschauen, dürfen sie ja gar nicht mehr machen. Ich weiß nicht, ob ich das so verurteilen soll.

Warum? Weil ich mich daran erinnere, dass meine Eltern ganz begeistert von Pompeji waren. Pompeji ist bekanntlich im 1. Jahrhundert von einer Menge Lava und einem unerträglichen Ascheregen vernichtet worden. Seit die Ausgrabungen vieles wieder freigelegt haben, werden Busladungen von Touristen da abgeladen, die sich anschauen, wie es wohl gewesen sein muss. Klar geht es dabei auch darum, einen Eindruck zu bekommen, wie in dieser Zeit gelebt wurde und wie Städte angelegt waren, aber all das geschieht immer vor dem Hintergrund, dass die Stadt 79 n. Chr. untergegangen ist und zig Menschen ihr Leben verloren haben. Ist das jetzt Katastrophentourismus? Im strengen Sinne ja. Denn Touristen kommen, um sich einen Schauplatz anzugucken, der für eine schreckliche Katastrophe steht. Heute machen die Touristen in Giglio nichts anderes.

Ich verurteile solchen Katastrophentourismus, der auf ekligste Weise grade in den Hochwassergebieten aufgetreten ist. Menschen, die sich anschauen wollen, wie die Betroffenen alles verlieren und einen Schutzdamm nach dem anderen gegen die Wassermassen bauen, aber selber allerhöchstens den Auslöser ihrer Kamera drücken – das kann ich nicht verstehen, und das finde ich dann wirklich pietätlos. Das ist Katastrophentourismus, der eindeutig zu verurteilen ist.

Bezogen auf Giglio habe ich mich geärgert über diejenigen Touristen, die kurz nach dem Unfall auf die Insel kamen, um ihr Erinnerungsfoto mit dem Wrack im Hintergrund zu schießen, als andere noch damit beschäftigt waren, die Konsequenzen abzuschätzen oder Überlebende erstzuversorgen und nach Hause zu bringen. Ja, das ist pietätlos. Aber heute hinfliegen und sich das Schiff anschauen? Die Menschen kommen jetzt nach Giglio, genauso wie sie nach Rom fahren, um das Colosseum anzugucken oder nach Pompeji, um die verschüttete und wieder freigelegte Stadt anzuschauen. Im Colosseum haben haufenweise Menschen im Kampf gegen hungrige Löwen ihr Leben gelassen, in Pompeji haben haufenweise Menschen den Kampf gegen die Lava und die Asche verloren. Also kein Besuch mehr der historischen Stätten, weil Menschen unglücklich ihr Ende gefunden haben? Oder muss das Unglück vor Giglio erst hundert Jahre vergangen sein, ehe man sich das Schiff anschauen dürfte (die angestrengten Bergungsarbeiten mal außen vor gelassen)?

Man sollte zwischen Katastrophentourismus und Katastrophentourismus unterscheiden. Jener, der Arbeiten behindert und sich am sichtbaren Elend anderer labt, ist deutlich zu verurteilen. Der andere, der die nachträgliche Neugierde bedient, sollte vielleicht nicht ganz so heftig kritisiert werden.

Ich habe eben – weil ich es im Morgenmagazin aufgeschnappt habe – Giglio bei Google Earth eingegeben. Ich habe ganz schön geschluckt, als ich das Schiffswrack auf dem Google-Earth-Bild gesehen habe. Habe ich jetzt virtuellen Katastrophentourismus betrieben?

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